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Sportlerleiste

Die Sportlerleiste

Die Sportlerleiste, auch unter dem Begriff „weiche Leiste“ bekannt, tritt häufig bei hochtrainierten Profisportlern auf und äussert sich in chronischen, aktivitätsbezogenen Leistenschmerzen.

 

Es handelt sich hierbei nicht um einen richtigen Bruch, aber eine Art Vorform einer medialen Leistenhernie. Eine Schwäche in der Leistenkanalhinterwand führt unter starker körperlicher Belastung zu Nervenkompressionen, was akute Schmerzen auslöst. Bei Anspannung und Druck auf den Bauchraum (z. B. durch ruckartige Bewegungen) wölbt sich die Transversalisfaszie nach vorne in den Leistenkanal hinein und drückt dabei auf die umliegenden Nervenbahnen, was die typisch stechenden Schmerzen auslöst. In Folge kommt es an jener Stelle zu einer perineuralen Fibrose, einer Bindegewebsverdickung des Nervenfaserhüllgewebes. Zusätzlich hat die fasziale Instabilität der Leistenkanalhinterwand zur Folge, dass sich der Leistenkanal weitet und der gerade Bauchmuskel beim Schambein-Ende schwächer wird. Oft entsteht beim Schambein durch die vermehrte Spannung, die aufgrund der Retraktion des geraden Bauchmuskels vorhanden ist, ein Knochenmarködem.

 

Besonders oft tritt die Sportlerleiste bei Sportarten mit einseitigen körperlichen Belastungen, wiederholenden, schnell-wechselnden oder ruckartigen Bewegungen und schnellen Richtungswechseln auf. Dazu gehören Fussball, Rugby, Football, Handball, Basketball, Eis- und Feldhockey, aber auch Tennis, Hürdenlauf und Running. Gerade Schussbewegungen, wo ein Fuss am Boden fixiert ist und eine Rotationsbewegung aus der Hüfte ausgeführt wird, begünstigen das Auftreten von Sportlerleisten. Rund 15 bis 20% der Sportler leiden im Verlauf ihrer Karriere an einer Sportlerleiste. Bei Profi-Fussballer sind es sogar fast 60%, die früher oder später Leistenbeschwerden entwickeln. Häufig haben Sportlerleisten längere Ausfallzeiten zur Folge, die fatal für die Sportlerkarriere und die eigene Mannschaft sind.

 

Männer entwickeln weitaus häufiger eine Sportlerleiste als Frauen. Beim schmaleren Becken des Mannes kommt es zu grösseren Scherkräften an der Schambeinfuge und daraus resultiert grössere Instabilität als in einem breiteren, weiblichen Becken.

 

Präventiv sollte gezieltes Krafttraining der Rumpfmuskulatur und der Adduktoren durchgeführt werden.

hernienzentrum

Symptome einer Sportlerleiste

Folgende Symptome können bei einer Sportlerleiste auftreten:

  • Ziehende, brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen in der betroffenen Leiste.
  • Schmerzen treten vor allem bei körperlicher Belastung auf.
  • Der Schmerz kann bis in die Oberschenkelinnenseite und in die Hoden ausstrahlen.
  • Druckgefühl in der unteren Bauchmuskulatur.

 

Ähnliche Symptome können auch bei der Beckenhernie (Obturatorhernie) auftreten, die ebenfalls Schmerzen oder Gefühlsstörungen in der Innenseite der Oberschenkel auslösen kann. Bei der Beckenhernie werden Organteile durch das Hüftbeinloch gedrückt, welches normalerweise durch eine Faszie verschlossen ist. Diese Hernie tritt sehr selten auf und ist bei einer körperlichen Tastuntersuchung kaum zu spüren, weswegen sie meist von Ärzten lange Zeit übersehen wird.

 

Samenstranglipome oder Lipome im Leistenkanal sind zwei weitere Diagnosen, die ähnliche Anzeichen wie die Sportlerleiste oder ein Leistenbruch verursachen können. Lipome sind gutartige Fettgeschwulste, die durch eine übermässige Vermehrung der Fettzellen im Unterhautfettgewebe entstehen. Übergewicht ist kein Risikofaktor und oftmals sind gerade sehr schlanke Patienten davon betroffen. Lipome sind auf dem Ultraschall sichtbar und können operativ leicht entfernt werden.

Die Sportlerleiste behandeln

Die Diagnose einer Sportlerleiste sollte im optimalen Fall durch einen Hernien-Spezialisten erfolgen. Der Arzt wird zur Diagnose die Leistenregion abtasten, um einen Bruch auszuschliessen. Mittels einer Ultraschalluntersuchung kann er die Beschaffenheit und die Festigkeit der einzelnen Bindegewebsschichten beurteilen. Gelegentlich werden auch Röntgen- oder eine MRT- Untersuchung eingesetzt.

 

Bei konservativer Behandlung ist als erster Schritt oft eine Sportpause nötig. Es können zusätzlich entzündungshemmende Medikamente verordnet werden. Unterstützend wird mit lokaler Infiltration, Osteopathie, Akkupunktur, ACP-Behandlung (Eigenbluttherapie) und Physiotherapie gearbeitet. Bringen konservative Behandlungsmethoden keinen Erfolg, wird die Sportlerleiste mittels einer Operation behandelt. Dabei sollte in Betracht gezogen werden, dass sich bei langanhaltender Reizung der Nerven in seltenen Fällen ein chronisches Schmerzsyndrom entwickeln kann. In diesem Fall gehen die Schmerzen selbst nach erfolgreicher Leistenstabilisierung nur sehr langsam zurück. Um dies zu vermeiden, sollten Sie spätestens nach 6 Wochen erfolgloser Behandlung einen erfahrenen Chirurgen beiziehen.

Operation einer Sportlerleiste

Bei einer Operation der Sportlerleiste wird einer oder mehrere der folgenden Schritte ausgeführt:

 

  • Die schwache Leistenkanalhinterwand wird verstärkt
  • Die Transversalisfaszie, die auf den Leistenkanal drückt, wird verstärkt und stabilisiert
  • Die Nervenbahnen werden vom Druck und der konstanten Reizung befreit
  • Die stark beanspruchten Bauch- und/oder Adduktorenmuskeln werden eingekerbt

Als Folge von Leistenoperationen können chronische Leistenschmerzen (verlinkt zu chronischer Leistenschmerzen) auftreten, die durch Nervenirritationen oder durch eine, durch das eingesetzte Netz hervorgerufene, Entzündung ausgelöst werden. Das Risiko für chronische Leistenschmerzen liegt bei einer offenen Operation bei 0.7% und bei minimalinvasiven Eingriffen bei 2.8%.

 

Generell sind die Risiken für Komplikationen aber gering. Je nach eingesetztem Verfahren und der gewählten Operationstechnik sind Schonfristen von 7 Tagen bis zu 12 Wochen einzuhalten, bevor wieder mit dem Training begonnen werden kann.

 

Mehr zu den von uns angewendeten Operationsverfahren lesen Sie hier.